Die kurze Antwort
Shopify ist das richtige System, wenn du einen D2C-Shop mit klarem Fokus auf Verkauf, Marketing und Skalierung betreibst und die Technik nicht dein Kerngeschäft sein soll. Shopware ist das richtige System, wenn du sehr individuelle Prozesse, komplexe B2B-Strukturen oder regulatorische Anforderungen hast, die sich nur mit eigenem Hosting und tiefen Eingriffen abbilden lassen, und ein Entwicklerteam dafür einplanst.
In unserer Praxis mit über 120 Shops sehen wir: Die meisten Brands zwischen 50.000 und 500.000 € Monatsumsatz fahren mit Shopify schneller, günstiger und mit weniger Reibung. Nicht, weil Shopware schlecht wäre, sondern weil der Aufwand für Betrieb, Updates und Entwicklung dort dauerhaft höher ist.
Wenn du in den letzten zwölf Monaten mehr Zeit mit Agentur-Tickets als mit Marketing verbracht hast, ist das Shopsystem wahrscheinlich Teil des Problems.
Shopware und Shopify im Überblick
| Kriterium | Shopify | Shopware 6 |
|---|---|---|
| Betriebsmodell | SaaS, gehostet von Shopify | Open Source (self-hosted) oder Shopware Cloud |
| Technik-Verantwortung | Liegt bei Shopify (Hosting, Sicherheit, Updates) | Liegt bei dir bzw. deiner Agentur |
| Lizenzkosten | 27 bis 289 € pro Monat (Basic bis Advanced), Plus ab ca. 2.300 € | Community Edition kostenlos, Rise/Evolve/Beyond mit Umsatzbeteiligung bzw. ab mehreren hundert Euro pro Monat |
| Checkout | Weltweit optimiert, Shop Pay, Checkout Extensibility | Frei anpassbar, aber selbst zu pflegen |
| Apps & Ökosystem | 8.000+ Apps, sehr starke Marketing-Integrationen (Klaviyo, Meta, Google) | Kleineres Ökosystem, viele Erweiterungen aus dem DACH-Raum |
| Entwicklung | Liquid, Theme-Editor, Shopify Functions, Hydrogen | PHP/Symfony, Twig, Plugins; mehr Freiheit, mehr Aufwand |
| B2B | Shopify Plus B2B nativ, sonst Apps | Sehr stark, besonders bei komplexen Preis- und Kundenstrukturen |
| Internationalisierung | Shopify Markets, Währungen, Steuern, Domains | Sales Channels, Sprachen, mehr Handarbeit |
| Updates | Automatisch, keine Downtime | Major-Updates sind Projekte mit Testaufwand |
Kosten: Lizenz ist nicht gleich Gesamtkosten
Der häufigste Denkfehler beim Vergleich: Shopware Community kostet keine Lizenz, also sei es günstiger. Rechnet man Hosting, Wartung, Sicherheitsupdates, Plugin-Updates und Entwicklerstunden ein, liegt ein professionell betriebener Shopware-Shop in der Regel bei 1.500 bis 5.000 € im Monat an laufenden Technikkosten, bevor eine einzige Funktion neu gebaut wird.
Bei Shopify zahlst du den Plan plus Apps und Transaktionsgebühren. Ein typischer D2C-Shop im sechsstelligen Monatsbereich liegt inklusive sinnvoller Apps bei 400 bis 1.500 € im Monat. Die Entwicklerstunden fallen vor allem einmalig beim Theme an, nicht dauerhaft für den Betrieb.
- Shopify: planbare Fixkosten, Technikbetrieb inklusive, Apps als variabler Posten
- Shopware: niedrige oder keine Lizenz, dafür laufende Kosten für Hosting, Wartung, Updates und Entwicklung
- Beide: Transaktionsgebühren je nach Zahlungsanbieter, bei Shopify reduziert durch Shopify Payments
Entwicklung und Anpassbarkeit
Shopware lässt dich praktisch alles ändern, weil du den Quellcode kontrollierst. Das ist ein echter Vorteil, wenn dein Geschäftsmodell Prozesse braucht, die kein Standardsystem abbildet: komplexe Konfiguratoren, individuelle Preislogiken, tiefe ERP-Verzahnung. Der Preis dafür: Jede Anpassung muss bei jedem Update mitgezogen werden.
Shopify hat diese Freiheit in den letzten Jahren stark ausgebaut: Shopify Functions für eigene Rabatt- und Versandlogik, Checkout Extensibility für den Checkout, Metaobjekte für individuelle Datenstrukturen, Hydrogen für Headless. Für 95 % der D2C-Anforderungen reicht das aus, und zwar ohne dass Updates etwas kaputt machen.
Checkout und Conversion
Hier ist der Unterschied am größten. Shopifys Checkout wird weltweit über Milliarden Transaktionen optimiert, Shop Pay beschleunigt Wiederkäufe spürbar, und Express-Zahlarten sind Standard. Bei Shopware baust du den Checkout selbst und musst ihn selbst optimieren und testen.
In Relaunches, die wir begleitet haben, lag die Conversion-Rate nach dem Umzug auf Shopify regelmäßig messbar höher, nicht weil das Produkt besser wurde, sondern weil Produktseite, Ladezeit und Checkout als System funktionieren.
Marketing, Apps und Retention
Für Brands, die über Meta, Google und E-Mail wachsen, ist das Shopify-Ökosystem schlicht reifer: Klaviyo, Meta Conversions API, Google Shopping, Server-Side-Tracking, Bewertungen, Abos, alles mit nativen Integrationen und sauberem Datenfluss. Bei Shopware gibt es für vieles Plugins, aber die Tiefe der Integration und die Datenqualität sind oft geringer.
B2B: Wo Shopware wirklich stark ist
Wer komplexe B2B-Strukturen hat, viele Kundengruppen, individuelle Preislisten, Freigabeprozesse, Angebotswesen, findet in Shopware ein System, das dafür gebaut wurde. Shopify Plus hat mit B2B nativ aufgeholt: Firmenkonten, Preislisten, Netto-Zahlungsziele, Mengenstaffeln. Für die meisten B2B-Shops reicht das inzwischen. Für Sonderfälle bleibt Shopware im Vorteil.
- Du D2C verkaufst und über Marketing wachsen willst
- Du keine eigene Entwicklungsabteilung hast oder haben willst
- Checkout, Ladezeit und Conversion für dich Umsatzhebel sind
- Du internationalisieren willst, ohne Technikprojekt
- Du E-Mail, Ads und Shop sauber verbinden willst
- ×Dein Geschäftsmodell sehr individuelle Prozesse erfordert
- ×B2B mit komplexen Strukturen dein Kerngeschäft ist
- ×Du den Quellcode aus regulatorischen Gründen kontrollieren musst
- ×Du ein Entwicklerteam hast und dauerhaft einplanst
Migration von Shopware zu Shopify: Was dich erwartet
Ein Umzug ist kein Knopfdruck, aber auch kein Jahr Projekt. Produkte, Varianten, Kunden, Bestellhistorie und Gutscheine lassen sich sauber übertragen. Entscheidend sind drei Dinge: ein vollständiges URL-Mapping mit Weiterleitungen, damit Rankings bleiben; ein paralleler Aufbau ohne Downtime; und der Mut, den Umzug für Verbesserungen zu nutzen, statt 1:1 zu kopieren.
Typische Dauer: sechs bis zwölf Wochen, je nach Umfang und Schnittstellen. Mehr dazu im Artikel Was kostet eine Shopify-Migration?
Fazit
Die Entscheidung ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage des Geschäftsmodells. Für D2C-Brands, die wachsen wollen und Technik als Mittel zum Zweck sehen, ist Shopify in fast allen Fällen die bessere Wahl. Für Unternehmen mit sehr individuellen Prozessen, komplexem B2B und eigenem Entwicklerteam bleibt Shopware eine starke Option.
Häufige Fragen
Bei der Lizenz oft ja, bei den Gesamtkosten meist nein. Shopware braucht Hosting, Wartung, Updates und Entwicklerstunden für den Betrieb. Rechnet man das ein, ist Shopify für die meisten D2C-Shops günstiger und vor allem planbarer.